Gemeinschaft der Gemeinden Hellenthal/Schleiden - Seelsorgebereich Hellenthal
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Porträt über Jugendseelsorger Hardy Harwinkels aus Mechernich

Stimmungsvolle Atmosphäre mit buntem Licht und Tüchern im Burgkeller.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung,Ausgabe 38/2014

Wenn die Fürbitte zum Engel wird

Jugendseelsorger Hardy Hawinkels gelingt die Gratwanderung zwischen Tradition und Wandel

Es ist bestimmt nicht allein dem ungewöhnlichen Ambiente geschuldet, wenn die jüngste Jugendmesse mit Hardy Hawinkels wieder einmal aus allen Nähten platzte.

Auch im Burgkeller von Reifferscheid versammelten sich rund 200 Gläubige aus der ganzen Nordeifel, um am Gottesdienst teilzunehmen. Es empfiehlt sich, früh vor Ort zu sein, um überhaupt noch einen Sitzplatz zu bekommen, denn mittlerweile hat sich ein fester Kern gebildet, der regelmäßig die Jugendmessen in der Nordeifel besucht. Diese finden immer in einem der vielen kleinen Eifeldörfer statt, gestaltet von den Jugendlichen des Orts. Sie legen das Thema fest, gestalten die verschiedenen Elemente und dekorieren den Raum. Und immer versuchen sie, die Gläubigen mit einer besonderen Aktion zu überraschen.

Da das Wetter in den Tagen davor zuverlässig unzuverlässig war, fiel der Entschluss leicht, die Messe in den Keller der Burg Reifferscheid zu verlegen. Mit Tüchern, farbigen Scheinwerfern und Lichterschnüren war der malerische Raum mit den Gewölbebögen dekoriert. Es sind nicht nur Jugendliche, die sich von den Messen des Jugendseelsorgers Hardy Hawinkels, Begründer der Eifeler Jugendkirche „New Key“, begeistern lassen. Abgesehen von den Inhalten ist es auch die Musik, die die Zuhörer lockt. Seit vielen Jahren sorgt „Spirit“ als Band mit ihrem Sakro-Pop für den richtigen Sound, und viele Zuhörer kommen, da sie sich von deren Musik angezogen fühlen. Die neun Musiker aus dem Großraum Jünkerath sorgen mit aktuellen Hits wie „Little Talks“ von der Band „Of Monsters and Men“ oder „Au Revoir“ von Mark Forster für die richtige Stimmung.

Wer wissen will, was die Jugend in der Eifel wirklich bewegt, sollte die Jugendmessen als Fortbildung nutzen. Denn Hawinkels versteht es hinzuhören, wenn sie von ihren Nöten erzählen. In Reifferscheid ging es um den Abschied. Jetzt in diesen Tagen verlassen die Schulabgänger des Sommers die Eifel, um überall in der Welt ihr neues Leben zu beginnen. In einer rührenden Spielszene schrieb ein Mädchen seinen Eltern einen Brief von seinem neuen Wohnsitz, 360 Kilometer von seinem heimatlichen Hof entfernt, und berichtete von dem Heimweh, der Verlockung des Neuen, aber auch den Verlusten. Wie groß ist der Drang in die Ferne, nach dem Neuen? Wie groß ist die Sehnsucht nach dem Vertrauten? Wie stark ist die Lust, alte Zöpfe abzuschneiden und einen neuen Weg zu beginnen, und wie riesig ist die Angst davor, genau diesen Schritt zu tun? In den Tagen, in denen Hunderte Jugendliche in der Region genau diese Überlegungen anstellen, sehen sie ihre Sorgen und Ängste in einem Gottesdienst aufgefangen und ausgesprochen.

 

Gelungenes Spiel mit Ideen und neuen Formen

Hawinkels gelingt es meisterhaft, den Grat zwischen Tradition und Innovation zu beschreiten und mit neuen Formen und Ideen zu spielen, aber auch den vertrauten Inhalten Raum zu geben. Wenn die Fürbitten nicht verlesen werden, sondern jeder seine eigenen Gebete mit einem Knoten in ein Taschentuch verewigt, ist das unkonventionell. Doch die zentrale Eucharistiefeier bleibt als fester Angelpunkt bestehen, auch wenn die musikalische Untermalung durch Spirit durchaus neuzeitlicher klingt. „Schau mal“, sagt eine Gottesdienstbesucherin beim Verlassen des Kellers und zeigt ihr Taschentuch vor, „aus meiner Fürbitte ist ein Engel geworden.“ Das sei gar nicht beabsichtigt gewesen, fährt sie fort, doch die Assoziation ist unübersehbar: Der Knoten als Knopf, neben dem sich die Flügel ausbreiten. Was kann einer Fürbitte Schöneres passieren, als dass sie zum Engel wird?


Von Stephan  Everling

Veröffentlicht am 27.09.2014

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